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In der Abenddämmerung zieht eine große Elefantenherde in ihr Nachtlager in den umliegenden Wäldern.

Ishasha

Die flinken und farbenfrohen Echsen geben ein tolles Fotomotiv ab.

Ishasha River Lodge

Der wolkenverhangene Himmel zaubert in den Morgenstunden ein diffuses Licht über die weiten Ebenen des Nationalparks.

Ishasha

Dort wo der Kanungu Distrikt im Westen von Uganda auf das Territorium Rutshuru der Provinz Nord-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo trifft, liegt der südliche Zipfel des Queen Elizabeth National Parks: Ishasha.

Die schlechteste Straße der Republik.

Die unbefestigte Piste leidet stark unter dem Lkw-Verkehr aus dem Kongo. Insbesondere bei Regen.

Heute machen wir uns – natürlich erst nach einem ausgiebigen Frühstück – auf den Weg in einen anderen Teil des Queen Elisabeth Nationalparks, der Ishasha Region. Diese Region ist vor allem bekannt für ihre baum­kletternden Löwen. Sie klettern auf die vielen Feigen­bäume in der Region, um vor der Hitze zu fliehen und einen besseren Blick auf ihre Beute – den Uganda Kob – im hohen Gras zu haben.

Die Straße nach Ishasha ist übersät mit Schlag­löchern und für alle Beteiligten anstrengend zu fahren. Die Strecke führt durch den Maramagambo Forest, einen dichten, tropischen Regenwald, bekannt für seine Arten­vielfalt, insbesondere Primaten (Schimpansen, Meerkatzen, Paviane) und Vögel. Leider ist dieser Teil des Parks nur zu Fuß erkundbar, es führt nur diese eine Straße hindurch. Trotzdem haben wir das Glück, zwei verschiedene Affen­arten zu erspähen – Blue Monkeys oder Diadem-Meerkatzen und einen zauberhaften L'Hoest's Monkey (Östliche Vollbart­meerkatze), der sich am Straßen­rand im Gebüsch versteckt.

Unterwegs hilft Henry noch einem stecken­gebliebenen Motorrad­fahrer, der seine Waren in den Kongo fahren will und dem in einem besonders tiefen, schlammigen Schlag­loch der Motor abgesoffen ist. Bis heute wissen wir nicht, wie unser Guide es geschafft hat, mit sauberen Schuhen wieder ins Auto einzusteigen ...

Henry erzählt uns, die Piste die wir heute fahren, ist eine der wichtigsten Verbindungen in den Süden in den Kongo und nach Ruanda. Dem­entsprechend gerne genutzt von Lasten­fahr­zeugen aller Art, die der Piste schwer zusetzen – vor allem bei Regen. Und es gibt fünf Brücken, die hoffentlich noch intakt sind. Denn wenn eine fehlt, müsse man den ganzen Weg zurück und einen Umweg fahren, der uns den ganzen Tag kosten würde. Und so freuen wir uns natürlich sehr, als wir Brücke #5 unbeschädigt vorfinden!

Die weite Sumpf-Landschaft des Ntungwe direkt an der Lodge: diese Strecke werden wir in den nächsten Tagen noch oft genießen.

Kurz vor dem Lunch verlassen wir den Wald und fahren durch die wunderschöne Savannen­landschaft Richtung Lodge, vorbei an einem Militär­stütz­punkt, der die Grenze zum Kongo überwacht. Das hinter­lässt ein komisches Gefühl, aber die politische Situation erlaubt wohl keine Alter­native. Der Weg in die Lodge führt über eine Route entlang einer Abbruch­kante mit Blick über ein wunderschönes, weites Tal mit einem Sumpf.

Die Lodge selbst liegt dann unten am Rande des Tals direkt am Fluss Ntungwe. Wir werden sehr herzlich von Tadeo empfangen, der uns den ganzen Aufent­halt über betreut. Alle Zelte haben einen direkten Blick auf den Fluss, in dem die Hippos ihren Tag verbringen. Wir richten uns erstmal zwischen den Zelt­bahnen ein – natürlich nicht ohne vorher unsere Lunch-Bestellung aufgegeben zu haben – und werden direkt von einer Familie Velvet Monkeys aus­gespäht, die auf unserer Terrasse auf und ab hüpfen und abschätzen, ob es nicht irgend­etwas zum Stibitzen gibt. Also Türen immer schön geschlossen halten.

Wo sind die Löwen?

28 Feigenbäume und wir kennen inzwischen alle.

Nach dem Lunch und einem kleinen Mittags­schläfchen geht es wieder auf Game Drive. Zurück über die Route an der Abbruch­kante des Tals, mitten hinein in den Park. Wir checken jeden bei Löwen beliebten Feigen­baum des Parks, um die einschlägigen Exemplare führen schon aus­gefahrene Wege herum, damit man von allen Seiten einen guten Blick hat. Leider ist kein Löwe weit und breit. Das mag einer­seits am Wetter liegen, es ist nicht heiß, sprich kein Grund für die Löwen, vor der Hitze in die Schatten der Bäume zu fliehen, und von den viel besprochenen riesigen Kob-Herden ist auch nichts zu sehen, keine Beute, keine Löwen. 

Der Game Drive ist also äußerst ergebnis­los. Auch hier scheint die Land­schaft wie leer­gefegt. Wir können es uns nicht wirklich erklären, denn die Tiere müssen ja irgendwo sein.

So oder so ähnlich hätten wir uns das gewünscht.

Auf dem Rückweg, es fängt gerade an zu dämmern, finden wir dann doch noch eine große Elefanten­herde, die neben uns durch die auf­ziehende Dunkel­heit läuft. Henry wird sehr ehrgeizig und will uns vor die Elefanten setzen, damit sie auf uns zu laufen und wir fahren einen Umweg über eine Stich­straße und das Licht wird immer weniger. Die Herde macht aber leider nicht mit, biegt irgendwo in der Tiefe der Landschaft ab, und so können wir sie dann nur noch aus der Ferne beobachten.

Wir waren lange draußen und zurück in der Lodge finden wir uns sogleich zum Abend­essen ein. Das Essen hier ist sehr lecker und auch optisch ein Genuss: die Speisen sind ein wenig eigenwillig, aber schön präsentiert und wir spüren, dass der Koch bei der Zubereitung des Essens wirklich Spaß haben muss. Wir lassen den jungen Abend mit einem Glas Pinotage ausklingen und fallen mit dem Quaken eines Frosches müde in die Betten.

Was wir nicht geahnt haben ist, der einsame Frosch hat wohl seine ganzen Kumpels mit­gebracht, denn nachts wachen wir zu einem unsäglich lauten Konzert auf, so dass wir ganz schöne Probleme haben, weiter zu schlafen. Schon klar, so direkt am Fluss sollte das jetzt auch keine große Überraschung sein.

Neuer Tag, neues Glück.

Am nächsten Morgen geht es wieder auf Game Drive. Wir wollen die Löwen finden. Das Wetter ist mal wieder Grau, es hat geregnet, wir sehen überall Vögel, die ihr Gefieder trocknen. Doch dann hören wir plötzlich einen Löwen brüllen. Er muss hier irgendwo sein. Wir fahren in den Bereich und folgen dem Geräusch, können aber einfach nichts im hohen Gras entdecken. Also ziehen wir weiter. Wir sehen ein paar Büffel, Topi-Antilopen, fahren an den Sümpfen vorbei, jedoch kein Vogel weit und breit.

Weiter geht es zu den Mating Grounds der Kob-Antilopen, dort stehen viele Tiere im hohen Gras. Von den Löwen weiterhin keine Spur. Wir biegen noch ab in Richtung Ishasha River auf einen alten Camp­ground, der leider nicht mehr genutzt werden kann, da der Fluss Teile des Areals einfach weg­gespült hat und befinden uns praktisch direkt an der Grenze zum Kongo. Im Kongo, auf der anderen Seite des Flusses, sehen wir ein paar Hippos, die einen kleinen Kampf ausfechten.

Wir fahren relativ früh zurück in die Lodge, wir wollen nachmittags früher los als sonst, um die Elefantenherden abzupassen, die nachts vom Park zurück in den Wald laufen. In der Lodge entdecken wir viele Vögel und kleine, bunte Geckos, deshalb ist das Teleobjektiv beim Lunch immer in der Nähe.

Vor unserem Nachmittags-Drive trinken wir noch gemütlich einen Kaffee und schauen auf den Fluss, plötzlich knackt es im Gebüsch und als der ganze Baum wackelt, ist eigentlich klar, was los ist: auf der anderen Fluss-Seite kommt ein Elefant durchs Dickicht und wir schauen ihm einige Minuten beim Fressen zu, bis er wieder im Gebüsch verschwindet. Und los geht’s zum Game Drive.

Wir sehen Büffelherden unten im Tal, ansonsten nicht sehr viel. Henry fährt mit uns raus auf die “Hauptstraße” des Park außerhalb des Gates, da es auch hier nochmal Mating Grounds der Kobs hat und deshalb auch einige Feigenbäume, die gerne von Löwen benutzt werden. Aber auch hier kein Erfolg. Zurück im Park finden wir einige Büffel beim Schlammbad und fahren auf eine weite Ebene, hier gibt es viele Antilopen und große Büffelherden.

Gegen Abend bricht die Sonne etwas durch die Wolken und beleuchtet die Ebene, auf der die Büffel ihr Nachtlager aufschlagen.

Nach dem Game Drive.

Ein Glas Pinotage des roten Hausweins “Four Cousins” begleitet unseren Abend, während wir über unseren ergebnis­losen Game Drive resumieren. Dass wir so wenig Sichtungen hatten, haben wir selten erlebt. Wobei wir zugeben müssen, nichts stimmt ja nicht ganz: die National­parks hier sind ursprünglicher in ihrer Art und touristisch nicht so erschlossen, wie wir das bislang gewohnt waren. Es hat einfach nicht so viele Pisten im Gelände und damit sinkt die Möglich­keit auch nahe an die Tiere heran­zukommen.

Aber wir haben uns diese Teile der Nationalparks des Landes herausgesucht, weil es hier eben den urzeitlich anmutenden Shoebill Vogel gibt, wie auch Löwen, die gerne mal in Bäumen abhängen. Wir waren jetzt knapp 30 Stunden im Gelände, mit dem Ergebnis – Null. Und so haben wir irgendwie die anderen Sichtungen aus den Augen verloren.

Am Tisch neben uns findet sich eine Familie aus Australien ein, die laut und aufgeregt über ihre Sichtungen des Tages berichten. Und als alle aufgeregt aufspringen, weil über dem Wasser des Ntungwe ein paar Flusspferde im Mondlicht baden, erinnern wir uns gerne wieder daran, warum wir eigentlich hier sind.

Morgenlicht

An unserem letzten Morgen in Ishasha verabschieden uns auf der bisher so leeren Ebene eine Herde Uganda-Kobs, die wunderschön im Morgenlicht stehen.

Bwindi

Impenetrable Forest

Der Blick ins Sumpf-Tal wird mit ein paar Antilopen an der Abbruchkante perfekt abgerundet.

Ein paar Gedanken

Zu hohe Ansprüche?

Vorab: Beide Teile des Queen Elizabeth Parks sind wunderschön – keine Frage. Auch die Lodges, die jeweils direkt am Wasser liegen, garantieren allerfeinstes Safari-Feeling und die schönste Aussicht, von der man noch lange träumen kann! Nur das Wetter und die Quote der Sichtungen waren gelinde gesagt recht mau ...